Um ein Terrarium in passender Größe auszuwählen, die richtige Futtermenge zu bestimmen und den Gesundheitszustand einer Schlange zu beurteilen, ist es wichtig, ihr Gewicht und ihre Länge zu kennen.
Als Mindestgröße für die Haltung von Kornnattern wird ein Terrarium empfohlen, dessen Länge und Höhe jeweils mindestens der Körperlänge der Schlange entsprechen. Die Tiefe sollte mindestens die Hälfte der Körperlänge betragen. Dies entspricht den Maßen 1 × 0,5 × 1 (Länge × Tiefe × Höhe), bezogen auf die Körperlänge der Schlange.
Junge Kornnattern sollten alle 5 bis 7 Tage eine Futterration erhalten, die etwa 10 bis 12 % ihres Körpergewichts entspricht. Erwachsene Tiere werden alle 10 bis 14 Tage gefüttert und erhalten dabei eine Futterration von etwa 6 bis 8 % ihres Körpergewichts.
Regelmäßige Messungen von Gewicht und Länge helfen dabei, die richtige Futtermenge zu beurteilen und zu erkennen, wann es so weit ist, ein größeres Terrarium einzurichten.
Nur lassen sich Schlangen nicht so leicht vermessen. Zuverlässige Ergebnisse zu erzielen, ist darum schwierig. Im Rahmen der Vivarium-AG, habe ich mit den Schülern und Schülerinnen meine Kornnattern vermessen und gewogen. Allerdings erst nach einigen Vorübungen.
Schlangen wiegen
Als Vorübung vor dem Hantieren mit den lebenden Kornnattern, habe ich die Kinder Gummischlangen wiegen und messen lassen.
Eine Schlange bleibt nicht einfach zusammengerollt auf einer Waage liegen. Sie muss in einer Box gewogen werden. Für ein Kind in der fünften Klasse, ist das nicht unbedingt offensichtlich. Auch die Handhabung der Waage und das Öffnen und Schließen der Faunabox waren neu. Darum haben die Kinder den Umgang damit an Spielzeugschlangen geübt.
- Box und Deckel auf die Waage
- Waage einschalten und tarieren
- Gummischlange in die Box
- Box schließen
- Gewicht ablesen
- Gewicht notieren
Dabei muss man darauf achten, welche Maßeinheit eingestellt ist.

Länge von Schlangen bestimmen
Im wissenschaftlichen Kontext wird die Körperlänge von Schlangen meist als Snout–Vent Length = SVL erfasst. Sie reicht von der Schnauzenspitze bis zur Kloake und schließt den Schwanz nicht ein. Grundlage für die Bestimmung der passenden Terrariengröße ist aber die Gesamtlänge bis zur Schwanzspitze. Außerdem haben viele Spielzeugschlangen keinen erkennbaren Übergang zwischen Körper und Schwanz.

Zur Messung habe ich Gliedermaßstab, Maßband und verschiedene Schnüre angeboten und die Kinder aufgefordert, vier verschiedene Schlangenmodelle zu vermessen. Sie durften die Schlangen nicht geradeziehen und sollten eine Messmethode finden, die ein möglichst genaues Ergebnis liefert.
An der dritten Werkstattstation sollten die Kinder die letzten beiden Exuvien der Schlangen messen.

Lernziele
Diese Aufgaben hatten die Ziele:
- Umgang mit Waagen üben
- Erschließen der mechanischen Funktionen einer Faunabox
- Korrekte Durchführung der Wiegung in mehreren Schritten
- Hantieren mit und Ablesen von Maßbändern und Maßstäben üben
- Abschätzen von Maßen im Vergleich zu bekannten Objekten:
- Was ist ein Meter? (entspricht der Türbreite)
- Wie hoch ist dein Schulheft (ca. 30 cm)
- Wie groß bist du selsbt?
- etc.
- Betrachtung und Handhabung einer Schlangen-Exuvie
- Erkenntnisgewinn:
- Schlangen lassen sich nicht wie Geraden vermessen.
- Messung von gebogenen Objekten ist nicht ganz einfach.
- später: Die abgestreifte Haut ist länger als die Schlange.
Die Gewichte konnten alle Gruppen passend bestimmen. Bei den Längen gab es Abweichungen von bis zu 45 cm bei einer 70 cm langen Spielzeugschlange.
Teil 2: Echte Schlangen messen
In der darauffolgenden Woche haben wir Wiege- und Messmethoden noch einmal kurz besprochen. Dann wurden die mitgebrachten, aufgetauten Futtermäuse für die Tiere gewogen und ihre Maße an der Tafel festgehalten. Auf Grundlage der Gewichte und der Angabe, dass es eine 10 %-vom-eigenen-Gewicht-Portion sein sollte, sollten die Kinder dann sagen, wie schwer eine Schlange sein müsste, damit die Futtermenge passt.
Danach habe ich nacheinander und einzeln die Schlangen in den Bioraum geholt. Die Tiere waren im Nebenraum, um sie nicht länger als 15 Minuten der Unruhe und dem Kontakt mit den Kindern auszusetzen. Die Schülerinnen und Schüler wuschen sich in der Zwischenzeit die Hände.
Den Anfang machte die Hakennasennatter „Perry“. Er ist noch jung und das Handling nicht gewohnt, weshalb ihn die Kinder nicht anfassen durften. Das Problem ist dabei nicht, dass das Tier hätte beißen können. Vielmehr geht es darum, die kleine Schlange langsam an solche Ausflüge in der Transportbox und den Kontakt mit Kindern zu gewöhnen und dabei Stress und unangenehme Situationen zu vermeiden.

Gewicht und Länge habe ich selbst bestimmt. Das kannte das Tierchen schon von zu Hause. Neu waren aber die Gerüche im Raum, die zehn Kinder und die ungewohnte Tischplatte. Sobald ich ihn losließ, suchte er nach einem Versteck, das es auf dem Tisch aber nicht gab. Nach 6 Minuten war Perry wieder in seiner Transportbox.
Als Nächstes holte ich „Striped“. Diese amelanistic-striped Kornnatter ist an Ruhe und Gelassenheit durch nichts zu toppen. Er züngelte aufmerksam und erforschte die Hände und Arme der Kinder auf beiden Seiten des Tisches. Dabei war er langsam und entspannt ohne klares Ziel unterwegs.
Weil dieses Tier sich immer wunderbar lang ausstreckt, war es einfach, ihn zu messen. Das Wiegen war schwieriger – in die Box wollte er nicht.


Striped ist etwas speziell beim Füttern: Er begibt sich in ein langes Kuhhorn und wartet, bis die Futtermäuse hineingelegt werden. Ein Verhalten, das er auch im Terrarium zeigt.
Wesentlich unkomplizierter ist „Heart“, der aus jeder Position heraus jede Maus von der Pinzette nimmt. Allerdings kriecht er dann rückwärts, bis er etwas gefunden hat, das er mit dem Schwanz umschlingen kann. Die Tischkante gab ihm nicht genug Halt, weshalb er sich in diesem Fall an meinem Handgelenk festhielt.
Vor der Fütterung hatten wir natürlich auch ihn gemessen und gewogen.

Ergebnisse
Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis mit den lebenden Tieren, war die Kinder engagiert und konzentriert bei der Sache. Sie befolgten alle Anweisungen und hielten sich an die Hygieneregeln, die vorsehen, dass sie sich vorher und nachher die Hände waschen.
Die einzelnen Schlangen waren durch den Wechsel der Situation nicht länger als 15 Minuten ausgesetzt. Beide Kornnattern nahmen Futter an.

Die Länge der Kornnattern haben wir mit 95,5 bzw. 96 cm bestimmt. Die beiden Exuvien der letzten Häutungen, hatten eine Länge von 114 und 116 cm. Sie waren also 19,4 bzw. 20,8 % länger als die Schlange. Die Haut wird durch das Abstreifen gedehnt.



