Das Ende einer Ära

Blick auf das Schulvivarium

Mit dem Ende des Schuljahres 2025/26 endet am Mariengymnasium auch ein besonderes Kapitel der Schulgeschichte. Nach rund zwanzig Jahren wird der Schulzoo aufgelöst. Was einst mit wenigen Tieren und viel Engagement begann, endet nun im Zuge der anstehenden Sanierung des Gebäudetraktes. 

Wie alles begann

Die Geschichte des Schulzoos begann etwa im Jahr 2006. Ein engagierter Lehrer schaffte die ersten Tiere an und legte damit den Grundstein für ein Projekt, das über viele Jahre hinweg den naturwissenschaftlichen Unterricht bereicherte. Zu den ersten Bewohnern gehörten die Leopardgeckos Sara und Leo. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler lernten die beiden Tiere im Laufe der Jahre kennen und erlebten sie als festen Bestandteil des Schulalltags.

Leopardgecko Sara

Im Alter von rund 20 Jahren verstarben im Frühjahr die zwei Leopardgeckos des Schulzoos.

Welche Tiere im Laufe der Jahre im Schulzoo lebten, lässt sich heute nur noch teilweise rekonstruieren. Erhaltene Unterlagen aus den Jahren 2009 bis 2015 zeigen jedoch, wie vielfältig der Bestand zeitweise war. Neben den Leopardgeckos wurden unter anderem Rotkehlanolis und Chamäleons gehalten. Heimchen und Mehlwürmer wurden als Futtertiere gezüchtet. Hinzu kamen verschiedene andere wirbellose Tiere wie Australische Gespenstschrecken, Indische Stabschrecken, Wandelnde Blätter und Achatschnecken, die 2010 angeschafft wurden.

Besonders vielfältig war über viele Jahre der Fischbestand des Schulzoos. Bis vor wenigen Jahren beherbergte ein Aquarium Tiere aus dem ostafrikanischen Tanganjikasee. Dort wurden verschiedene Buntbarscharten wie Altolamprologus calvus, Julidochromis leleupi und Neolamprologus multifasciatus gepflegt.

Ein weiteres Aquarium war mit wechselnden tropischen Süßwasserfischen besetzt. Erhaltene, einlaminierte Artenschilder geben heute einen Einblick in die Vielfalt der gehaltenen Arten. Dazu gehörten unter anderem Platys, Zebrabärblinge, Keilfleckbärblinge, Erbsenkugelfische, Zwergfadenfische sowie Marmorierte, Mosaik- und Blaue Fadenfische. Auch Saugschmerlen, Antennenwelse und verschiedene Salmlerarten wie der Rote von Rio, Neonsalmler und Trauermantelsalmler waren zeitweise Teil des Bestandes.

Ein Neuanfang

Nachdem der Gründer des Schulzoos die Schule vor rund zehn Jahren verlassen hatte, wurde der Tierbestand nach und nach reduziert. Als ich im Jahr 2022 die Leitung des Schulzoos übernahm, lebten dort neben den Leopardgeckos Sara und Leo nur noch Indische Stabschrecken sowie die Buntbarsche des Tanganjika-Aquariums.

Während der Sommerferien und bis zum Halbjahreswechsel 2022/23 überarbeitete ich die Aquarien und Terrarien grundlegend. Ich reinigte die Anlagen, erneuerte die Technik, richtete die Becken und Terrarien neu ein und stattete sie mit Pflanzen aus.

Gleichzeitig besetzte ich das zweite Aquarium neu. Dort zogen südamerikanische Fischarten wie Skalare, Glühlichtsalmler und Schwielenwelse ein.

Terrarium für Leopardgeckos

In den folgenden Jahren baute ich das Angebot des Schulzoos schrittweise aus. Neben den dauerhaft in Aquarien und Terrarien untergebrachten Tieren, brachte ich regelmäßig weitere Arten aus meiner privaten Haltung für den Unterricht, die Schulzoo-AG oder besondere Aktionen mit in die Schule. Dadurch wechselte die Zusammensetzung der gezeigten Tiere immer wieder.

Durch das Tauschen der Terrarien waren in den Schaufenstern immer andere Tiere zu sehen.

Ein „Tier des Monats“ oder ein Thema wie essbare Insekten sorgten für Abwechslung.

Zu den vorgestellten Wirbellosen gehörten verschiedene Tausendfüßer und Riesentausendfüßer, Landeinsiedlerkrebse, Achatschnecken sowie mehrere Käferarten, darunter Mehlkäfer, Schwarzkäfer, Südafrikanische Fruchtkäfer und Kongo-Rosenkäfer. Hinzu kamen sieben Arten von Stab- und Gespenstschrecken sowie verschiedene Assel- und Schabenarten.

Auch verschiedene Wirbeltiere konnten die Schülerinnen und Schüler auf diese Weise kennenlernen. Dazu gehörten unter anderem Vielstreifengrasmäuse, Axolotl, Anderson-Querzahnmolche, Mallorca-Geburtshelferkröten, Moschusschildkröten, Kornnattern und eine Hakennasennatter. Die wechselnden Tierarten ermöglichten Einblicke in unterschiedlichste Lebensweisen und Anpassungen von Wirbellosen, Amphibien, Reptilien und Säugetieren.

Passende Arbeitsmaterialien

Parallel zur Präsentation der Tiere in den Aquarien, Terrarien und Schaufenstern der Biologiesammlung habe ich zahlreiche Unterrichtsmaterialien zu den verschiedenen Tierarten entwickelt. Diese können im Sachkunde- und Biologieunterricht eingesetzt werden, um den Schülerinnen und Schülern die Lebensweise, die Ansprüche und die Besonderheiten der Tiere näherzubringen.

Meine Arbeitsblätter biete ich bei eduki an. So stehen sie auch für andere Schulen zur Verfügung.

Darüber hinaus habe ich Unterrichtsmaterialien erstellt, mit denen sich grundlegende biologische Inhalte direkt an den Tieren des Schulzoos vermitteln lassen. So kann beispielsweise die vollständige Metamorphose von Insekten am Kongo-Rosenkäfer oder die Entwicklung von Amphibien an den Mallorca-Geburtshelferkröten nachvollzogen werden. Anders als bei den üblichen Schulbuchbeispielen wie Maikäfer, Marienkäfer oder Grasfrosch können die Schülerinnen und Schüler diese Tiere und ihre Entwicklungsstadien das ganze Jahr über unmittelbar beobachten. Dadurch werden biologische Prozesse nicht nur theoretisch behandelt, sondern können über längere Zeiträume hinweg direkt verfolgt und dokumentiert werden.

Ergänzend habe ich Arbeitsblattsammlungen zu Themen wie Anpassung an den Lebensraum, Ökologie und anthropogenen Einflüssen erstellt. Dabei habe ich gezielt auf Arten zurückgegriffen, die im Schulzoo gehalten werden können. Im Gegensatz zu vielen klassischen Unterrichtsbeispielen wie Ringelnattern oder Maulwürfen, deren Beobachtung im Schulalltag nicht möglich ist, können Schülerinnen und Schüler Kornnattern oder Axolotl über längere Zeiträume hinweg direkt beobachten. Dadurch lassen sich biologische Zusammenhänge anhand konkreter eigener Erfahrungen nachvollziehen.

Entwicklung der Vivarium-AG

Auch die Arbeit in der Vivarium-AG entwickelte sich weiter. Anfangs standen vor allem die Pflege der Tiere und die praktische Arbeit im Schulzoo im Mittelpunkt. Dabei stellte ich jedoch fest, dass vielen Schülerinnen und Schülern wichtige biologische Grundlagen fehlten, um die Bedürfnisse der Tiere wirklich zu verstehen und ihre Haltung fachgerecht beurteilen zu können. Deshalb verlagerte ich den Schwerpunkt der AG zunehmend auf die Vermittlung theoretischer Kenntnisse. Neben der praktischen Tierpflege beschäftigten wir uns nun intensiver mit Themen wie Lebensräumen, Ernährung, Verhalten, Anatomie und artgerechter Haltung. Mein Ziel war es, nicht nur den Umgang mit den Tieren zu vermitteln, sondern auch ein fundiertes Verständnis für die Verantwortung zu schaffen, die mit der Haltung lebender Tiere verbunden ist.

Der Schulzoo bot über viele Jahre hinweg die Möglichkeit, Tiere aus nächster Nähe zu beobachten und biologische Zusammenhänge unmittelbar zu erleben. Für zahlreiche Schülerinnen und Schüler waren die Aquarien und Terrarien ein fester Bestandteil des Schulgebäudes. Sie machten biologische Vielfalt sichtbar und ermöglichten Erfahrungen, die weit über das hinausgingen, was Bilder oder Filme vermitteln können.

Der Schutz der Tiere geht vor

Seit 2023 wird das Mariengymnasium umfassend saniert und umgebaut. Um aktuelle Anforderungen des Brandschutzes zu erfüllen sowie barrierefreie sanitäre Anlagen zu schaffen, sind umfangreiche bauliche Maßnahmen in dem Gebäudetrakt erforderlich. Für die Durchführung der Arbeiten müssen Wasser- und Stromversorgung über längere Zeiträume unterbrochen werden.

Da die Räume des Schulzoos während der Bauphase über mehrere Wochen nicht nutzbar sein werden und eine zuverlässige Versorgung der Tiere unter diesen Bedingungen nicht gewährleistet werden kann, mussten die Aquarien und Terrarien in der vergangenen Woche geräumt werden. Die Tiere kehrten alle in meine private Haltung zurück.

Wie geht es weiter?

Die Schulzoo-AG wird auch in Zukunft fortgeführt. Ebenso stehen die Tiere weiterhin für den Biologieunterricht zur Verfügung und können bei Unterrichtsprojekten, Arbeitsgemeinschaften und besonderen Aktionen eingesetzt werden.

Ob es nach Abschluss der Baumaßnahmen wieder eine Ausstellung mit lebenden Tieren geben wird, ist derzeit noch offen. Dies hängt vor allem davon ab, ob nach dem Umbau geeignete Räumlichkeiten für die Unterbringung von Aquarien und Terrarien zur Verfügung stehen.

Beitrag teilen

Blick auf das Schulvivarium
Terraristik

Das Ende einer Ära

Mit dem Ende des Schuljahres 2025/26 endet am Mariengymnasium auch ein besonderes Kapitel der Schulgeschichte. Nach rund zwanzig Jahren wird der Schulzoo aufgelöst. Was einst mit

Kornnatter an einem Sonnenplatzim Terrarium
Marketing

Schlangen vermessen in der Vivarium-AG

Um ein Terrarium in passender Größe auszuwählen, die richtige Futtermenge zu bestimmen und den Gesundheitszustand einer Schlange zu beurteilen, ist es wichtig, ihr Gewicht und