KI-Irrsinn?

Ausmalbilder mit Unterrichtskonzept

Heute war es so weit: Ich habe nicht verstanden, was eine KI von mir will, und habe eine andere KI um Rat gefragt. Die Antwort war das KI-Äquivalent von Schulterzucken, Stirnrunzeln und am Ohrläppchen zupfen.

Ein von einer KI überwachtes System zur Qualitätssicherung prüft in Sekunden meine Unterrichtsmaterialien. Erfülle ich die Kriterien, bekomme ich einen Stern, wenn nicht – dann nicht.

Nun sind alle meine Materialien immer nach dem gleichen Schema aufgebaut. Aber nicht alle haben so einen Stern. Weil ich eine Streberin bin, will ich alle Sterne! Aber wie, wenn die Verbesserungsvorschläge so merkwürdig sind, dass ich sie nicht einordnen oder Umsetzen kann. Was für ein Material ausreicht, wird bei einem anderen beanstandet. Scheinbar.

Ich lasse mir von einer anderen KI helfen. Das Problem ist nicht das Arbeitsmaterial für die Schüler. Es sind die Informationen für die Lehrer, die den Ausschlag geben. Ein Satz ergänzt und schwupp – da ist mein Stern.

Mein KI-Kollege und ich analysieren die verschiedenen Beurteilungen und stellen einen Katalog mit 19 Kriterien auf, die abgearbeitet werden müssen, damit die KI das Material auszeichnet. Unter anderem müssen die Lehrerinformationen Differenzierungen, Musterlösungen, Bewertungsvorschläge und einen Hinweis auf den Lebensweltbezug haben. Eigentlich kein Problem, wenn man Arbeitsblätter und Informationstexte anbietet, die bereits von vornherein nach diesen Kriterien aufgebaut wurden. Dazu kommen Hinweise zu den Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Schülern, Hinweise zur Unterrichtsgestaltung und Hinweise dazu, wie die Lehrkraft reflektieren kann, ob das Unterrichtsziel erreicht worden ist. Kaum sind die fehlenden Hinweise ergänzt, ploppt der Stern auf. Und dann?

Mandalas und Ausmalbilder! Es werden die gleichen Kriterien angelegt. „Was ist das Unterrichtsziel?“, „Wie fördert das Material die Kooperation der Kinder?“ „Wie lassen sich unterschiedliche  Anforderungsniveaus realisieren?“ Mensch und KI sind verwirrt, aber willig. Das Ausmalbild und die Mandalas bekommen jeweils eine sechsseitige Lehrkraftinformation, wie sich Ausmalbilder mit welchem didaktischen Ziel im Unterricht einsetzen lassen und welche Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Bearbeitung es gibt und wie am Ende der angestrebte Lernerfolg bewertet werden kann. Ich sehe meine Sterne und benötige erst einmal eine Pause.

Ausmalbild

Es klingt absurd, dass eine KI vom Ersteller eines Ausmalbildes erwartet, didaktische Ziele festzulegen und ihre Überprüfbarkeit zu gewährleisten. Aus meiner Sicht sind die Blätter Füllmaterial für eine Lerntheke, um Wartezeiten zu überbrücken. Kann das nicht reichen?

Leider lautet die Antwort „nein“. Aus der Sicht einer Lehrkraft sind die sechs Seiten wertvoll. Absurderweise muss jede Unterrichtsstunde auf bestimmte Weise dokumentiert werden: Ziele, Materialien, Erwartungshorizont, Reflexion … Für vorhandenes Material und vertraute Inhalte hat die Lehrkraft solche Zusammenstellungen.

Aber ich biete etwas anderes! Ich biete Dinge an, die von der Lehrkraft in die vorgeschriebenen Formate der Unterrichtsgestaltung eingefügt werden müssen. Und das bedeutet, dass eine Lehrkraft Arbeit investieren muss. Notfalls, um zu erläutern, warum ein Ausmalbild didaktisch wertvoll ist. Zeit, die dann für anderes fehlt. Das Sternchen am Material signalisiert: „Hier geht es einfach und schnell.“ Darum hat der kluge Mensch, der die KI programmiert hat, so hohe Hürden aufgebaut. 

Inzwischen habe ich mein Fleißsternchen auch für Sammlungen von Bildtafeln. Klar sollte ein Lehrer wissen, was er mit Bildern von 34 Schildkrötenarten anfangen kann. Aber es geht viel schneller, eine fertige Textpassage zu kopieren und in den Unterrichtsentwurf einzufügen, als sich selbst abends um 22 Uhr eine didaktische Begründung aus den Fingern zu saugen. 

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