Aktualisiert am von Maike Wilstermann-Hildebrand
Perry, die Hakennasennatter, ist ein Neuzugang in meinem kleinen Zoo. Er ist 9 Monate alt, etwa 25 cm lang und wiegt rund 17 Gramm. Obwohl Hakennasennattern zu den beliebtesten Schlangen in der Terraristik gehören und oft angeboten werden, war es gar nicht einfach, den kleinen Kerl zu bekommen. Ich wollte nämlich unbedingt ein wildfarbenes Tier. Die will aber außer mir wohl keiner, und so ist auch Perry nur ein „Het-Tier“, das mit 66%-iger Wahrscheinlichkeit rezessive Gene für Sable, Lavender und Axanthic trägt. Aber dazu später mehr.
Die Westliche Hakennasennatter
Die Westliche Hakennasennatter (Heterodon nasicus) ist eine Schlangenart aus Nordamerika. Bei den Tieren fällt sofort der charakteristische, leicht nach oben gebogene Rostralschild ins Auge.
Diese Art ist überwiegend tagaktiv (diurnal) und jagt in ihrer Heimat hauptsächlich in den kühleren Morgen- und Abendstunden. In besonders heißen Regionen kann sie auch dämmerungsaktiv sein.
Typisch ist ihr ruhiges, aber neugieriges Verhalten. Bei Gefahr zeigt sie ein beeindruckendes Schauspiel: Sie bläht ihren Nacken auf, zischt laut und stößt mit der geschlossenen Schnauze nach dem Feind. Da sie vom Muster und Körperbau den Klapperschlangen ihrer Heimat ähnelt, stellt kaum jemand ihre Gefährlichkeit infrage. Hilft das Drohen nicht, folgt ihr berühmtester Trick – sie „stirbt“ theatralisch unter Krämpfen. Dann stellt sie sich tot und liegt regungslos auf dem Rücken. Allerdings nicht ohne gelegentlich den Kopf zu heben und durch Züngeln zu prüfen, ob die Luft wieder rein ist. Manchmal lässt sie als Spezialeffekt noch Blut aus dem Maul fließen und gibt dazu ein stinkendes Sekret aus der Kloake ab.
Der Lebensraum der Hakennasennatter
Die Westliche Hakennasennatter lebt vorwiegend in trockenen, offenen Landschaften wie Prärien, Halbwüsten und sandigen Ebenen. Ihr spezieller Nasenschild dient dabei als perfektes Werkzeug zum Graben im lockeren Boden, wo sie sich versteckt oder nach Beute sucht.
Nahrung der Hakennasennatter
Ihre Beute:
- Hauptsächlich Amphibien, insbesondere Kröten
- Gelegentlich auch kleine Reptilien, Schildkröteneier und Nagetiere
Besonders bemerkenswert ist ihre Anpassung an Kröten: Sie ist gegen deren Hautgifte weitgehend unempfindlich und kann aufgeblähte Kröten sogar „entlüften“, um sie leichter zu schlucken.
Im Gegensatz zu anderen Hakennasennatter-Arten sind die im Terrarium nachgezogenen Westlichen Hakennasennattern leicht mit Frostmäusen zu füttern.

Perry frisst aktuell alle 5 Tage zwei Pinky-Mäuse. Die nimmt er ohne zu zögern an und lässt sich auch durch Beobachter und Kamera dabei nicht stören.
Farbformen bei Hakennasennattern
Nun zu den Farbformen und warum ich keine wollte. Farbmorphen entstehen bei allen Tieren durch Mutationen. In der Regel gibt es rezessive Gene, die bei Verpaarung von zwei Elterntieren mit demselben rezessiven Allel sichtbar werden (Phänotyp). Um neue Farbformen zu kreieren, werden Tiere mit einer Genmutation mit Tieren verpaart, die andere Mutationen tragen. Dadurch entstehen in der ersten Tochtergeneration heterozygote Tiere, die beide Veranlagungen tragen, aber manchmal keine davon zeigen. Durch wiederholte Kreuzung der heterozygoten Tiere und ihrer Nachkommen werden allmählich homozygote Zuchtlinien aufgebaut, bei denen alle Nachkommen immer die Merkmale beider rezessiven Gene ausprägen. Oft geschieht das durch Inzucht. Es besteht leider bei dieser Form der Zuchtauslese auf Farbe und Muster die Gefahr, dass latente Gendefekte weitervererbt werden.
Normal / Wildtyp
- Beige bis braune Grundfarbe
- Dunkle Flecken entlang des Rückens
- Schwarz-weiß karierter Bauch
Albino
- Kein schwarzes Pigment
- Orange, gelb oder rötlich
- Rote Augen
Anaconda (Conda / Superconda)
- Stark reduziertes Muster
- Wenige oder keine Flecken
- Superconda: fast einfarbig
Axanthic
- Keine gelben/roten Pigmente
- Grau, schwarz, silbrig
- Sehr kontrastreich
Toffee / Caramel
- Warme Braun- und Karamelltöne
- Weicher, weniger kontrastreicher Look
Leucistic
- Fast komplett weiß
- Dunkle Augen
- Kaum bis kein Muster
Lavender
- Leicht violett-grauer Farbton
- Pastellartige Optik
Arctic
- Sehr hoher Kontrast
- Helle Grundfarbe mit klaren dunklen Mustern
Sable
- Dunklere Grundfarbe
- Muster oft reduziert oder „verwaschen“
Extreme Red
- Sehr intensive rote/orange Färbung
- Deutlich kräftiger als Albino
Green Phase
- Leicht grünlicher Schimmer
- Selten und ungewöhnlich
Jaguar
- Unregelmäßiges, teils „chaotisches“ Muster
- Kann vom normalen Fleckenmuster abweichen
Dutch / Hypo (Hypomelanistisch)
- Reduziertes Schwarzpigment
- Insgesamt heller und weicher
Ghost (Hypo + Axanthic)
- Blass, grau-beige
- Sehr wenig Kontrast
Snow (Albino + Axanthic)
- Weißlich bis rosa
- Sehr helle, fast „pastellige“ Optik
Coral
- Kräftige rosa/orange Farbtöne
- Oft sehr leuchtend
Super Arctic
- Extrem hoher Kontrast
- Teilweise verändertes/ungewöhnliches Muster
Albino Anaconda
- Kombination aus Albino + Conda
- Helle, kräftige Farben mit wenig Muster
Bei der Farbform „Spider“ des Königspythons (Python regius) ist eine Genmutation vorhanden, die mit neurologischen Störungen (dem sogenannten „Wobble-Syndrom“) verbunden ist und die sich durch Gleichgewichtsprobleme sowie unkontrollierte Kopfbewegungen äußert.
Bei Leopardgeckos (Eublepharis macularius) ist die Zuchtlinie „Enigma“ bekannt dafür, neurologische Auffälligkeiten zu zeigen. Die Farbform „Lemon Frost“ ist mit einem Gendefekt verbunden, der schon bei jungen Tieren zur Bildung von Krebstumoren in den Farbzellen der Haut führt.
Bei der Hakennasennatter treten neurologische Probleme bei der Farbform „Skull Face“ auf. Sie gelten unter Züchtern aber als selten (nur 2 bis 3 % der Tiere zeigen Symptome) und die Ausprägung gilt als minderschwer. Statt Linien mit diesem Gendefekt aufzugeben, wird empfohlen, sie nur nicht mit „Anaconda“ oder „Caramel“ zu kreuzen, weil das die Häufigkeit und die Stärke der Ausfälle erhöht. In wie vielen „Anacondas“ oder Het-Tieren dieser Gendefekt schon steckt, weiß niemand, und auch nicht, was aus den Tieren und den Zuchtlinien in den nächsten 10 bis 20 Jahren noch wird.
Ein Grund für die Wahl eines wildfarbenen Tiers ist also die Hoffnung auf möglichst gute genetische Voraussetzungen für ein langes, gesundes Leben. Nun ist Perry aber ein Het-Tier, dessen Eltern gleich drei rezessive Gene getragen haben. Ich hoffe, er hat nichts anderes mitbekommen.
Der zweite Faktor ist, dass ich Schülerinnen und Schülern Tarnung und Ähnlichkeit zu Klapperschlangen nur zeigen kann, wenn die tatsächlich da sind.
Grund Nummer 3: Ein Tier gewinnt nicht an Wert, wenn es eine Modefarbe hat. Kein Tier wurde je durch Zucht auf Trendmerkmale gesünder oder besser. Wenn ihr nicht wisst, was ich meine, seht euch Hunde- und Katzenrassen an. Tiere sind Lebewesen und keine Accessoires!
Wozu ein Perry?
Ich halte bereits zwei Kornnattern und die sind als Modell für typische Schlangen bei der Arbeit mit Kindern gut geeignet. Die Hakenansennatter ergänzt meinen Bestand ideal. Zum einen, weil sie die gleichen Ansprüche an Temperatur und Luftfeuchtigkeit hat. Nein – ich halte sie natürlich nicht zusammen!
Zum anderen ist sie ein komplett anderer Typ Schlange. Die Hakennasennatter unterscheidet sich im Verhalten, beim Beutespektrum, in der Fortbewegung, in der Färbung und im Körperbau von den Kornnattern. Das finde ich prima, weil ich den Kindern so Vielfalt bei gleicher Bauweise zeigen kann.




